Bei der Weltklimakonferenz auf Bali ist am vorletzten Tag noch keine Einigung in Sicht. Umweltorganisationen kritisierten vor allem die amerikanische Delegation, die versuche, alle vorgeschlagenen Vereinbarungen zu torpedieren. Die US-Diplomaten erheben nach diesen Angaben gegen alle Textpassagen Einspruch, die für die Entwicklungsländer wichtig sind. Dazu gehören Vereinbarungen über die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen und Technologietransfer.
Gabriel will Zugeständnisse der „Freunde und Kollegen“
Bereits gestern hatte die heiße Phase der Konferenz begonnen – und die EU und die USA aneinandergeraten. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel rief die Industrieländer und insbesondere die USA auf, sich mittelfristige Ziele zu setzen: Sie sollten ihren Treibhausgasausstoß bis 2020 um mindestens 30 Prozent werden. „Das Ziel einer 30-prozentigen Reduzierung bis 2020 sollte nicht infrage gestellt werden“, sagte Gabriel. „Es sollte auch für unsere Freunde und Kollegen in den USA akzeptabel sein.“ Deutschland selbst werde den Treibhausgasausstoß bis 2020 um 40 Prozent senken.
Zwar erntete Gabriel für seinen Vorschlag stürmischen Beifall – doch US-Delegationsleiterin Paula Dobriansky blieb dabei, dass auf Bali den nächsten Klimaverhandlungen noch keine Lösung vorweggenommen werden dürfe. Die US-Regierung will nur einen Fahrplan für weitere Verhandlungen bis 2009 festlegen.
Nach den Vorstellungen Indiens sollten sich ausschließlich die Industrieländer im Rahmen des Kyoto-Protokolls weitere klare und verbindliche Ziele für die drastische Minderung der Treibhausgase auch nach 2012 setzen, sagte Indiens Wissenschaftsminister Kapil Sibal. Während Indien pro Kopf der Bevölkerung rund eine Tonne Kohlendioxid produziert, entfallen auf jeden Amerikaner 20 Tonnen.
Steiner warnt vor Minimalkonsens
Zu Beginn der der entscheidenden Verhandlungen auf Bali hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Teilnehmer zu ehrgeizigen Anstrengungen beim Klimaschutz aufgerufen: „Wir dürfen unseren Kindern nicht die Zukunft rauben.“ Der Direktor des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, warnte vor einem Minimalkonsens auf Bali. Ein zu vages Ergebnis dürfe es in Bali nicht geben, sagte Steiner: Der Weltklimarat habe deutlich gemacht, dass eine Reduzierung der Treibhausgase um 25 bis 40 Prozent bis 2020 nötig sei. „Die Ziele dürfen nicht relativiert werden“, sagte Steiner. tagesschau.de
